Vortrag von Prof. Peter Kruse – Ein starkes Plädoyer für das Kooperative Lernen

schülerVZAm 26. August 2009 fand in Düsseldorf im Ausbildungszentrum der Metro-Group der Bildungskongress 2009 statt. Professor Peter Kruse stellte die Ergebnisse einer Untersuchung vor, die das Kommunikationsverhalten und die Wertemuster der „digital natives“ mit denen von Lehrern verglich. Das Thema des Hauptvortrages war: Kollektive Intelligenz – was wir von der Kapuzenshirt-Generation lernen können.

Kruses Grundidee ist es, dass durch die globale Vernetzung der Komplexitätsgrad unseres Lebens stark angewachsen ist. Noch nie war die Flut der zu verarbeitenden Information gewaltiger, insbesondere der kontextfrei präsentierten Information. Die in Ungeheure gewachsene Komplexität verlangt von den Bürgern dieser „neuen Welt“ völlig neue Strategien der Komplexitätsbewältigung.

Die sogenannten „digital natives“ haben in den Kommunikationsmöglichkeiten des „social web“, des „web 2.0“ zu neuen Kommunikationsformen und zu neuen, im Kollektiv gründenden Komplexitätsbewältigungsstrategien gefunden. Dabei haben sich auch die Wertemuster der handelnden Personen signifikant verändert.

In drei Schritten stellt Kruse in seinem Vortrag vor,

  1. Wie die Netzwerke die Alltagswelt verändern (Umrisse eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels)
  2. Warum Pessimismus nicht angebracht ist (Strategien im Umgang mit übergroßer Komplexität)
  3. Welche Aufgabe die Pädagogik hat (Interviews mit Digital Natives und Lehrern)

Als besonders bedeutsam hebt Kruse hervor, dass die „digital natives“, die Menschen, die von anfang an mit der Komplexität der Netze aufgewachsen sind, in dieser Sozialisation grundlegend andere unbewusste Wertepräferenzen ausbilden. Kruse spricht hier von limbischer Prägung. Dies korreliert mit seiner Feststellung, dass „digital natives“ bei der Bewältigung übergroßer Komplexität insbesondere die Strategie der „Emotionalen Bewertung“ (Intuition) nutzen – eine Strategie, die stark die Kompetenzen des limbischen Systems unseres Gehirnes nutzt.

Die „natürliche“ Auseinandersetzung mit den neuen Kommunikations- und Vernetzungsformen führt nach Kruse zu erkennbaren Differenzen in den Wertemustern von „digital natives“ (Kruse nennt diese lieber „digital inhabitants“, da das Alter keine ausschließende Bedeutung besitzt) und LehrerInnen:

Wertepräferenzen

Klar ist, dass die Sicht auf das Internet und die Auswirkungen des neuen Social Web zwischen beiden Befragungsgruppen stark differiert:

SichtaufInternet

Die auf den Vortrag folgende Diskussion konzentrierte sich auf Fragen der Internet-Nutzung in Schule u.ä.

Die von Kruse in seinem Vortrag aufgezeigten veränderten Kommunikationspräferenzen und Strategien sowohl der Informationsverarbeitung als auch der Komplexitätsreduktion der „digital inhabitants“ einerseits und die veränderten Wertemuster der „digital inhabitants“ andererseits werfen aber wesentlich allgemeinere Fragen auf.

Salopp gesprochen:
Wenn die Kids von heute dermaßen anders ticken – wie muss Schule sein, was bedeutet es, diese Kids zu lehren, wie kann unter diesen radikal veränderten Voraussetzungen Lernen in der Schule aussehen?

Für meine Wahrnehmung waren die im Vortrag aufgezeigten Entwicklungen wieder einmal ein starker Impuls, die Tradition des Lehrers als Besserwissers aufzugeben und statt dessen zu überlegen, wie Unterricht und Schule sich zu Dialog und Kooperation unter gleichberechtigten Teilnehmern entwickeln kann.

Ein starkes Plädoyer für das Kooperative Lernen.

Hier ein Link zum Video seines Vortrages (leider mit vielen Tonaussetzern) und seine Präsentationsfolien:

PeterKruse Bildungskongress 09