Schul- und Unterrichtsentwicklung in Duisburg

Die Lehrerinnen und Lehrer des Reinhard-und-Max-Mannesmann-Gymnasiums in Duisburg suchten vor einigen Jahren wie andere Schulen nach Möglichkeiten der Veränderung des Unterrichts und der Verbesserung der Schülerleistungen. Im Schulprogramm war der Aspekt des Methodenlernens bereits als Eckpfeiler schulischer Entwicklung genannt. Einige Kolleginnen und Kollegen hatten bereits an Fortbildungen zum Lernen lernen nach Klippert teilgenommen und im Rahmen dieses Konzepts begonnen Unterricht anders zu gestalten. Das Kooperative Lernen erschien ihnen unter den aktuellen Bedingungen als sinnvolle Erweiterung und Ergänzung.

Da die stellvertretende Schulleiterin, Carmen Druyen, von Norm und Kathy Green zur Moderatorin ausgebildet war, konnten 40 Kolleginnen und Kollegen im Rahmen des Pädagogischen Tages im Schuljahr 2003/2004 in einer schulinternen Fortbildung zum Kooperativen Lernen fortgebildet werden. Am Ende der Fortbildung beschlossen 20 Kolleginnen und Kollegen diese Arbeit fortzusetzen.

Da es nicht ausreicht, nur zu Beginn eines Veränderungsprozesses ein Training durchzuführen, in dem die Lehrerinnen und Lehrer das ‚notwendige Werkzeug’ an die Hand bekommen, fanden projektbegleitend mehrere Fortbildungen an Nachmittagen statt. Themen waren sowohl die Erweiterung der Methodenkompetenz als auch die Reflexion der ersten Erfahrungen mit Kooperativem Lernen im eigenen Unterricht. Insbesondere der kollegiale Austausch half den Kolleginnen und Kollegen, neue Ideen für den eigenen Unterricht zu entwickeln, Materialien auszutauschen und Probleme zu besprechen. Experimentierfreudigere Kolleginnen und Kollegen konnten auch jene ermutigen, die zögerlicher und mit mehr Skepsis in den Prozess eingestiegen waren. Die Verbindung von methodischem Lernen und inhaltlicher Reflexion führte schnell zu einer Atmosphäre des Vertrauens in dieser schulinternen Gruppe.

Die Zielsetzungen des Projekts zur Integration Kooperativen Lernens im Unterricht sind:
– Kenntnisse der theoretischen Grundlagen und Methoden des Kooperativen Lernens,
– Erwerb und Erweiterung von Kompetenzen im Bereich des Kooperativen Lernens,
– Stärkung der Kooperation von Lehrerinnen und Lehrern auf kollegialer Ebene,
– Einbeziehung von kooperativen Lernformen in den Unterricht,
– Verbesserung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses,
– Verbesserung von Unterrichtsqualität durch stärkere Beteiligung der Lernenden,
– Entwicklung kooperativer Kompetenzen und Bewertungssysteme und
– individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern.

Die Implementation kooperativer Unterrichtsformen erstreckte sich, je nach Intention und Erfahrung der Lehrkraft, vom Einsatz kooperativer Methoden in einzelnen Unterrichtsphasen in Kombination mit anderen Methoden bis hin zur Gestaltung größerer unterrichtlicher Projekte und Arbeitsphasen.

Auch wenn es bislang noch keine empirisch gesicherten Ergebnisse über die Wirkungen der Umsetzungen im Unterricht gibt, so kann doch über zahlreiche positive Erfahrungen der Lehrerinnen und Lehrer und entsprechende Reaktionen der Schülerinnen und Schüler berichtet werden. Unterrichten wird als weit weniger belastend, als abwechslungsreicher und schülerorientierter empfunden. Schülerinnen und Schüler werden in größerer Zahl und intensiver am Unterricht beteiligt und Unterrichtsstörungen konnten reduziert werden.

Der Kreis interessierter Kolleginnen und Kollegen ist im Laufe der Zeit nicht nur stabil geblieben, sondern hat sich vergrößert. Die positiven Erfahrungen mit den Schülerinnen und Schülern und deren Reaktionen bestärkten die Teilnehmenden, die schulinterne Fortbildung fortzusetzen. Sie entwickelten ein Konzept, dessen Grundlage eine gemeinsame Reflexionsebene und Sprache ist; die Vermittlung kooperativer Fertigkeiten und Kompetenzen – bezogen auf die Jahrgangsstufen – kann demnach koordiniert verwirklicht werden.

Lehrkräfte mehrerer benachbarter Schulen begannen mit ähnlichen Fortbildungen. Die Trainings wurden von Thomas Kremers oder Carmen Druyen durchgeführt. An weiteren Schulen der Stadt besteht ebenfalls ein großes Interesse an kooperativen Lernformen, so dass sich ein Ansatz zur Bildung eines lokalen Netzwerks ergibt. Diese Idee wird durch viele Schulleiterinnen und Schulleiter in Duisburg unterstützt und gefördert. Insbesondere Gesamtschulen und Berufskollegs zeigen großes Interesse an Fortbildungsveranstaltungen.

Von den 16 Modellschulen Duisburgs, die sich an dem Projekt „Selbstständige Schule“ beteiligt haben, entschlossen sich 13 Schulen, Kooperatives Lernen in ihr Fortbildungs- und Schulentwicklungs¬konzept zu integrieren. Im Schuljahr 2006/2007 wurden 250 Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Schulformen in zweitägigen Fortbildungen mit dem Konzept des Kooperativen Lernens vertraut gemacht. Die Trainings wurden von Xenia Gincberg, Stefan Reinders, Thomas Kremers und Carmen Druyen geleitet. Unterstützt wurden sie durch Kolleginnen und Kollegen der eigenen Schulen oder Moderatorinnen aus Mönchengladbach, die praktische Beispiele aus ihren Unterrichtsfächern präsentierten. Einige Schulen benannten Multiplikatoren, die sich einmal im Monat mit den Moderatoren (C. Druyen / Th. Kremers) treffen, um Erfahrungen auszutauschen, weiter fortgebildet werden und im Blick auf Schulentwicklungsprozesse unterstützt werden.

Da der Kreis der 16 Modellschulen um 35 Korrespondenzschulen erweitert wurde, sollen im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2006/2007 und im Schuljahr 2007/2008 weitere Schulen fortgebildet werden.

Norm und Kathy Green werden den Prozess in Duisburg unterstützen, indem sie Trainings für Multiplikatoren und Schulleitungsmitglieder durchführen mit dem Schwerpunkt Schulentwicklung.